Stadtplanung in Düsseldorf : Zwei Kreisverkehre für das Mörsenbroicher Ei? – RP

Wenn FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus in den Niederlanden unterwegs ist, fallen ihm wieder die großen Verteilerstellen für den Individualverkehr auf. „Dort sind in den letzten Jahren an den Einfahrten in die Städte immer mehr Kreisverkehre gebaut worden.“ Die Unfallzahlen seien dramatisch zurückgegangen, und Neuenhaus fragt sich, warum man nicht auch in Deutschland viel öfter zu dieser Variante der Verkehrslenkung greift. Die Liberalen, Mitglieder der Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP, wollen deswegen vor der Sommerpause endlich die Prüfung für einen Umbau des Mörsenbroicher Eis im Stadtrat auf den Weg bringen.

Da das Mörsenbroicher Ei aus zwei großen Kreuzungsbereichen besteht, müssten laut FDP dort zwei Kreisverkehre entstehen, die miteinander verbunden werden. Aus der Luft betrachtet, hätte der Knotenpunkt die Form einer großen Acht. „In den Niederlanden funktioniert so etwas“, sagt Neuenhaus. Dort würden sogar vierspurige Kreisverkehre angelegt. Die Verringerung der Unfallzahlen komme auch durch eine bessere Orientierung der Autofahrer zustande. „Wenn man in den Kreisverkehr hineinfährt, muss man sich auf ein Ziel beziehungsweise die Ausfahrt festlegen. Die Spur wird nicht mehr gewechselt“, sagt Neuenhaus. Am besten sei es, die Verkehrsexperten der Stadt führen einmal nach Den Haag, um sich diese Form der Verkehrslenkung anzuschauen.

Die Prüfung eines möglichen Umbaus des Mörsenbroicher Eis ist bereits 2014 im Kooperationsvertrag vereinbart worden – mit gutem Grund. Die Großkreuzung taucht regelmäßig ganz oben in der Verkehrsunfallstatistik auf. 136 Unfälle waren es 2018, Platz zwei hinter dem Nordstern (167). Acht Personen wurden verletzt. In 110 Fällen handelte es sich um Bagatellunfälle, laut Polizei oft verursacht durch ungenügenden Sicherheitsabstand (siehe Info-Kasten). Die Polizei appelliert vor allem, auf der großen Kreuzung defensiv und vorausschauend zu fahren – und die Finger von Handys und Navi etc. zu lassen. Die Stadtverwaltung wiederum werde, so ein Sprecher, sich Gedanken zur Entschärfung der Kreuzung machen, sieht aber in einem Kreisverkehr aktuell keine Lösung.

Norbert Czerwinski, Fraktionssprecher der Grünen, beschreibt die Situation am Mörsenbroicher Ei als „total schwierig“. Die Verkehrsführung dort müsse besser werden, „es fehlt uns im Moment aber noch die Idee, was man dort machen kann“, sagt er. Einen Kreisverkehr – ob einfach oder doppelt – sieht er kritisch: „Einen solchen hatten wir zum Beispiel früher am Nordfriedhof. Das Problem bei Kreisverkehren ist, dass sie nur bis zu einem bestimmten Verkehrsaufkommen funktionieren, am Nordfriedhof konnte er damals den Verkehr nicht mehr bewältigen, deshalb hat man die Brücke und die Unterführung dort gebaut.“ Dennoch könne man die von der FDP aufgebrachte Idee einmal genau prüfen lassen. Eine Möglichkeit dazu biete auch der Mobilitätsplan D, in dem Ziele für die Verkehrsentwicklung festgeschrieben werden.

Man habe das Mörsenbroicher Ei als Unfallschwerpunkt im Blick, sagt Matthias Herz, Verkehrspolitiker der SPD. Ein wenig verbessern könne man die Situation vielleicht mit einer anderen Ampelschaltung oder besseren Fahrbahnmarkierungen. Einen doppelten Kreisverkehr könne man prüfen, „man muss sich dabei aber zum Beispiel genau anschauen, was es kostet“.

Die CDU, größte Fraktion im Stadtrat, lehnt einen Umbau keinesfalls ab, will aber externe Profis einschalten. Im Umfeld entstünden neue Hochhäuser, mehr als 500 Wohnungen sowie eine Firmenzentrale (Deloitte). „Wir müssen die Leistungsfähigkeit des Knotens überprüfen und uns von einem Fachbüro Varianten zur Verbesserung vorschlagen lassen“, sagt Fraktionsvize Andreas Hartnigk. Der Verkehrsexperte verlangt Simulationen, die die Auswirkungen von Veränderungen durchrechnen. „Ob dann am Ende ein Kreisverkehr eine Lösung ist oder etwas anderes, kann ich heute noch nicht sagen.“

Die Ratsfraktion der Linken hat eine andere Idee: Sie will überall im Stadtgebiet möglichst Tempo 30 einführen. „Am Mörsenbroicher Ei selbst ginge das zwar nicht, aber wenn insgesamt in der Stadt nur ein langsameres Tempo erlaubt ist, dann wird das auch dort spürbar sein“, sagt Ratsfrau Anja Vorspel.