Sieger der Europawahl : Die neue Stärke der Düsseldorfer Grünen – RP

Auch die Düsseldorfer FDP sieht sich gestärkt, auch wenn sie von den mehr als 17 Prozent bei Bundes- und Landtagswahl 2017 weit entfernt ist. Sie erreichte aber das beste Großstadtergebnis in Deutschland. Für Rats-Fraktionschef Manfred Neuenhaus ist das ein Zeichen, dass man mit Selbstbewusstsein in die nächste Wahl gehen kann und die Düsseldorfer auch neue Vorhaben wie die Umweltspuren akzeptieren, die gegen Diesel-Fahrverbote helfen sollen. Die meisten Wähler haben die Liberalen an die Grünen und die Nichtwähler verloren – um die wolle die Partei nun werben und zeigen, dass sie das „Düsseldorfer Lebensgefühl“ verstehe, sagt Neuenhaus. „Fest steht nur: Es ist alles möglich.“

Düsseldorf war am Sonntag so grün wie noch nie – das sorgt bei den Parteistrategen im Jahr vor der Kommunalwahl für Nachdenklichkeit. Falls die Grünen ihre Stärke bis in den Herbst 2020 behalten, könnten sie erstmals sogar bei der Wahl des Oberbürgermeisters mitreden. Sie gilt als wichtigste Richtungsentscheidung der Kommunalwahl. Da dabei die Persönlichkeit der Kandidaten einen entscheidenden Faktor bildet, wächst die Spannung, wen die Parteien ins Rennen schicken.

Bei den Grünen gilt es als sicher, dass sie wie auch 2014 mit eigenem Bewerber antreten, auch wenn die Mitglieder noch zustimmen müssen. Das war schon vor der Europawahl klar. „Das Ergebnis gibt uns natürlich Rückenwind“, sagt Kreisparteichefin Paula Elsholz. Sie sieht auch eine Anerkennung für die Politik im Stadtrat, in dem die Grünen ein Bündnis mit SPD und FDP bilden. „Die Wähler haben unsere Politik für Klimaschutz und Verkehrswende bestätigt.“

Die Grünen waren bei der Europawahl mit 29,2 Prozent in Düsseldorf die stärkste Kraft und landeten sogar 4,5 Prozentpunkte vor der CDU. Die SPD erreichte mit 15,2 Prozent nur etwas mehr als die Hälfte ihrer Wähler. Die Chancen der Grünen bei der Kommunalwahl vergrößert zudem ausgerechnet eine umstrittene Entscheidung der schwarz-gelben Landesregierung: Es wird keine Stichwahl um das OB-Amt mehr geben, die Mehrheit im ersten Wahlgang reicht. Auch die FDP wird mit eigenem Bewerber ins Rennen gehen – und hätte mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine bekannte Kandidatin, die der CDU viele Stimmen rauben könnte, so eine Spekulation unter SPD und Grünen.