OB-Wahl in Düsseldorf : FDP-Chefin Strack-Zimmermann tritt gegen Thomas Geisel an – RP

Düsseldorf Marie-Agnes Strack-Zimmermann will Oberbürgermeisterin von Düsseldorf werden. Bei ihrer Wahl zur Spitzenkandidatin für die Kommunalwahl in einem Jahr erhielt sie am Samstagmorgen eine Zustimmung von 94,2 Prozent.

Von Uwe-Jens Ruhnau

Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist in der politischen Landschaft bekannt als tragendes Mitglied der Abteilung Attacke. Am Samstag ist sie nach einer kämpferischen Rede zur Spitzenkandidatin der FDP für die Kommunalwahl am 13. September 2020 gekürt worden. Die Zustimmung lag bei 94,2 Prozent, 145 von 154 gültigen Stimmen beim Wahlparteitag entfielen auf sie. Die 61-Jährige ist davon überzeugt, die Wahl gewinnen zu können: „Bei der Oberbürgermeisterwahl setze ich auf Sieg – ich will den Amtsinhaber ablösen und ich will die erste wirklich liberale Oberbürgermeisterin unserer Stadt werden.“ Es gebe eine historische Chance. Tatsächlich hat Strack-Zimmermann meist Wahlergebnisse deutlich über dem Landesschnitt der Liberalen geholt. Die nächsten zwölf Monate, so kündigte sie an, würden „die turbulenteste und arbeitsreichste Zeit, die die Freien Demokraten hier je erlebt haben“.

Strack-Zimmermann verknüpfte beim Sonderparteitag in der Handwerkskammer die 20 Jahre Regierungsbeteiligung der FDP im Rathaus mit ihrer eigenen Person. Fünf Jahre hat die ehemalige 1. Bürgermeisterin in der Bezirksvertretung Gerresheim gesessen, seit 2004 hat sie ein Mandat im Stadtrat. Die Wirtschaftskraft sei in den 15 Jahren der schwarz-gelben Koalition verstärkt und die Lebensqualität erhöht worden, resümierte sie. Der Verkauf der Stadtwerke-Anteile und von RWE-Aktien sei genauso richtig gewesen wie der Bau des Kö-Bogens, dessen Tunnel Geisel als Fehler darstelle. Erst das gute Wirtschaften habe zu höchsten sozialen Standards, beitragsfreien Kitas und den hohen Investitionen für Schulen und Bäder geführt.

Die Liberale definierte sich als Gegenentwurf zu Geisel. Der manage die Stadt schlecht, sagte die gebürtige Düsseldorferin. Sie kenne die Verwaltung der Stadt, habe Respekt vor den Gremien. „Das hier ist keine One-Man-Show“ meinte sie und warf ihm viele Alleingänge vor. Auch deshalb wolle sie ihn ablösen, die Stadt sei keine Beschäftigungstherapie für arbeitslose Energie-Manager – was nicht nur eine Spitze gegen den ehemaligen Ruhrgas-Mann Geisel, sondern auch gegen die scheidende Innogy-Vorständin Hildegard Müller war. Sie wird bei der CDU als mögliche Spitzenkandidatin gehandelt.

Strack-Zimmermann wiederholte ihren Vorwurf, Geisel habe in all den Jahren kein Gespür für die Menschen in Düsseldorf und deren Mentalität entwickelt. Er wisse nicht, wie sie ticken. Beispiele seien unter anderem die Tour de France, die Idee, das Schauspielhaus auch als Kongresszentrum neu zu bauen, die Umweltspur „durch die ganze Stadt“, die Stadtstrände als eine in ihren Augen Verschandelung des Rheinufers sowie die Kö als Fußgängerzone. Die Düsseldorfer hätten auch keine Lust auf Dauerparty und auch nicht auf einen ungebremsten Bauboom. Bei dem wäre am Ende vor allem der Mittelstand der Verlierer, all jene Menschen, die die Stadt am Laufen hielten wie Handwerker, Erzieherinnen, Dienstleister aller Art. Für sie müsse man Wohnungen bauen.

Strack-Zimmermann wandte sich gegen weiteres rasantes Wachstum der Stadt. Die Infrastruktur sei überfordert, Kita-Ausbau und ÖPNV, für den man einen Fünf-Jahres-Plan vorgelegt habe, kämen nicht mehr mit. „Der Zuwachs an Einwohnern muss entschleunigt werden.“ Es sei Wahnsinn, alles zu versiegeln und die Stadtteile durch Bautätigkeit zu vereinheitlichen. Die Menschen kämen aus Lohausen, Niederkassel, Gerresheim, Hamm, auch da bedürfe es Raum zum Atmen.

Mit einem als Bildmarke geschützten Logo, das ihre Frisur und ihren rot geschminkten Mund zeigt, geht Strack-Zimmermann in das Wahlkampfjahr. Auf Kumpelei setzt die Leistungsethikerin gleichwohl nicht. Genau an diesem Punkt schießt sie ebenfalls gegen Geisel. Wer glaube, alle in der Stadt würden einen lieben, wenn man jedem das Du aufzwinge, der sei falsch gewickelt. Ein OB müsse nicht geliebt, er oder sie müsse respektiert werden. So sieht sie es auch bei der Sicherheit und Ordnung, etwa beim sommerlichen Krisenfall Rheinbad. Wer sich in Düsseldorf nicht benehme, müsse bei ihr mit „null Toleranz“ rechnen. Strack-Zimmermann trug all dies moderat im Ton, aber hart in der Sache vor. Da die übrigen Parteien erst im neuen Jahr ihre OB-Herausforderer küren, hofft sie auf einige Monate Solo-Wahlkampf mit Geisel.