In 35 Tagen zu Fuß nach Rom – RP

Gestern Morgen übergab Lehnert mit Kumpel Tim Thesing, der ihn auf seinem Trip elf Tage begleitete, die stolze Summe von 4600 Euro an die Vorsitzende Monika Lehmhaus. Die hatte auch den geeigneten Rahmen für die Übergabe gefunden: das Basketball-Hallenturnier vom Projekt „Basketball at school“, das dank der Spende Lehnerts jetzt für ein weiteres Jahr gesichert ist.

 

Düsseldorf. Für den guten Zweck wanderte Niklas Lehnert 1430 Kilometer. Vorbild war sein Großvater, der vor 25 Jahren unterwegs war. Von Birgit Wanninger

 

Was Großvater Heinrich vor 25 Jahren geschafft hatte, das wollte Enkel Niklas Lehnert auch – und es gelang ihm: Wandern für einen guten Zweck. Zu Fuß von Düsseldorf nach Rom lautete der Plan. Großvater Heinrich Becker, heute 78 Jahre alt, spendete damals sein erwandertes Geld an eine Schule in Indien. „In dem dortigen Kloster lebte meine Tante“, sagt der 22-Jährige. Lehnert wollte auch spenden und entschied sich für ein Projekt von „Sports Partner Ship“. Die Idee kam nicht von ungefähr, denn der 22-jährige Düsseldorfer studiert Sport und Biologie und möchte Lehrer werden.

Gestern Morgen übergab Lehnert mit Kumpel Tim Thesing, der ihn auf seinem Trip elf Tage begleitete, die stolze Summe von 4600 Euro an die Vorsitzende Monika Lehmhaus. Die hatte auch den geeigneten Rahmen für die Übergabe gefunden: das Basketball-Hallenturnier vom Projekt „Basketball at school“, das dank der Spende Lehnerts jetzt für ein weiteres Jahr gesichert ist. Den Zehn- bis Zwölfjährigen erzählten Niklas Lehnert und Tim Thesing von ihrem Abenteuer – und die rund 80 Schüler hörten aufmerksam zu.

Startschuss für den 35-tägigen Charity-Walk war am 1. August am Aachener Platz. An dem Tag ging es am Rhein entlang bis nach Köln. Zu diesem Zeitpunkt wusste Lehnert noch nicht, was für ein Pensum er sich auferlegt hatte. Und er wusste auch nicht, dass er die meiste Zeit allein wandern muss. Denn Tim Thesing hatte nur elf Tage Zeit, und sein zweiter Kumpel, Michael Lin, musste schon am vierten Tag wegen eines Schienbeinkantensyndroms aufgeben. „Meine Mutter hat mich mal einen Tag begleitet“, sagt Lehnert, aber die vielen Versprechen von Freunden seien nicht eingelöst worden. „Fast 70 Prozent der Strecke war ich allein.“ Er hatte Sponsoren akquiriert und alles im Vorfeld akribisch organisiert: die genaue Strecke durch Wälder und Felder, damit er nicht plötzlich vor einer Autobahnauffahrt steht. Jede Übernachtung war geplant, denn immerhin standen täglich 40 Kilometer auf dem Programm. Und das Ganze mit Rucksack, der rund zwölf Kilo wog. „Ich hatte mir extra einen Wander-Rucksack gekauft“, berichtet der Student, während sein Freund Tim auf seinen Bundeswehr-Rucksack schwor, der sich als völlig ungeeignet für dieses Vorhaben erwies und Rückenschmerzen verursachte.

40 Kilometer am Tag, das weiß Niklas Lehnert heute, sind viel zu viel. Eine Strecke, die man eigentlich nicht schaffen kann. Tim Thesing bestätigt dies kopfnickend. Jeden Morgen klingelte um Viertel nach fünf der Wecker. Um sechs Uhr war Aufbruch. „Dann bin ich vier Stunden gewandert“, sagt Lehnert. Nach einer Pause noch einmal drei Stunden. Wieder Pause – und nun musste er den Rest bewältigen, egal, wie spät es war. Bei einem Tempo von vier Kilometern pro Stunde sei man da schon zwölf Stunden unterwegs.

 

Und mehr, wie sich herausstellte. Im Gegensatz zu seinem Großvater hat sich Niklas auf die moderne Technik verlassen – zunächst. Google Maps und ein gutes GPS sollten es möglich machen. Von wegen. „Wir haben uns oft verlaufen“, erinnert sich Lehnert, der am Ende wie sein Opa mit der klassischen Landkarte durch Italien wanderte.

Er gibt ein Beispiel. Das war in Süddeutschland, und Tim war noch dabei. Sie befanden sich einen Kilometer von ihrem Tagesziel. Und standen plötzlich vor einem Abgrund. Was tun? fragten sie sich. Der Weg zurück wäre viel zu weit gewesen. Es war schon spät. Also haben sie sich vorsichtig runtergehangelt und glücklicherweise ist nichts passiert. Auch auf dem Brenner ging es nicht weiter. Da führte ein Weg, der völlig zugewachsen war, letztendlich ans Ziel.

In Italien war Niklas nur noch allein unterwegs. Auf der Straße Richtung Florenz war er so erledigt, dass er Pause machte und zu allem Überfluss kein Wasser mehr hatte. Ein Autofahrer hielt an, war ihm behilflich; lud ihn zu seiner Familie zum Essen ein. Noch heute steht Lehnert mit der Familie in Briefkontakt. „Der Mann hat übrigens 30 Jahre Ferraris nach Deutschland transportiert“, berichtet Lehnert. Er kann viel erzählen – über tolle Begegnungen und außergewöhnliche Menschen.

Rom hatte Niklas Lehnert immer vor Augen. „Ich musste pünktlich sein“, sagt er. Denn in der Ewigen Stadt hatte er eine Woche Urlaub geplant. „Da wollte ich keinen Tag von abgeben.“ So erreichte er schließlich am 5. September vergangenen Jahres, am 35. Tag, erschöpft Rom. Auf dem Petersplatz wurde er erwartet – von seinen Eltern, seiner Schwester und seiner Freundin. Er hatte es geschafft.

Quelle: RP