„Das ist eine alberne Idee. Wir würden ein Stück unserer kulturellen Identität abreißen“, sagt Manfred Neuenhaus von der FDP.

Und  FDP-Mann Neuenhaus sagt: „Wir müssen schauen, dass wir die nötigen Einnahmen generieren. Dieser Verantwortung muss sich Geisel stellen. Ohne Theater verspielt eine Großstadt schnell ihren Ruf. Kultur ist auch Wirtschaftsförderung.“ EXPRESS

Auch der stellv. FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus hat wenig Verständnis für Geisels Vorschlag: „Der Oberbürgermeister macht in der Kultur zurzeit eine sehr unglückliche Figur. Er muss aufpassen, dass er nicht zur tragischen Figur wird.“ Und er prophezeit: „In den überregionalen Zeitungen wird das eine Glosse.“ Neuenhaus erinnert zudem daran, dass „seit 2008 schon 60 Millionen Euro in das Schauspielhaus investiert wurden. Wir haben eine moderne Drehbühne, wir haben die Asbestsanierung gemacht, wir haben die Akustik gemacht.“ Eine andere Nutzung sei widersinnig. WZ

Düsseldorf. Die FDP-Ratsfraktion fordert ein Ende der Debatte um das Schauspielhaus – und äußert einen Verdacht über die Hintergründe des Vorstoßes von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). „Ich befürchte, dass er das Gebäude für ein Kaufhaus abreißen will“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus. RP

 

 

Schauspielhaus als Kongresszentrum? Kritik an Geisel-Idee WZ

Von René Schleucher und Helga Meister

In seinem Video-Blog spricht der OB darüber, ob der Bau am Gründgens-Platz auch anders genutzt werden kann.

Düsseldorf. „Es gibt eine neue Aufreger-Diskussion in unserer Stadt.“ Mit diesen Worten beginnt Oberbürgermeister Thomas Geisel in seinem neuesten Video-Blog eine neue Aufreger-Diskussion. Nachdem er zuletzt schon einen Abriss und originalgetreuen Wiederaufbau des denkmalgeschützten Schauspielhauses ins Gespräch gebracht hatte, stellt er nun die Frage, ob das Schauspielhaus unbedingt fürs Theater genutzt werden müsse.

Den zentralen Satz sagt Geisel mit dem Schauspielhaus im Hintergrund in die Kamera: „Brauchen wir diesen Standort für das Schauspielhaus?“ Gegenüber dem Express wurde der Oberbürgermeister Dienstag am Rande der Tour de France-Präsentation in Paris noch deutlicher: „Es ist so, dass auch viele sagen, im Central ist das Schauspiel auch gut untergebracht. Wir dürfen keine Denkverbote haben. Vielleicht gibt es einen Investor, der im Schauspielhaus ein Kongresszentrum oder ähnliches errichtet.“

Bürgermeister Karen-Jungen stellt sich an Geisels Seite

Bürgermeister Günter Karen-Jungen (Grüne) äußerte sich von Paris aus gegenüber der WZ ähnlich: „Natürlich ist es denkbar, dass man im Schauspielhaus auch andere Dinge macht.“ Und: „Vielleicht findet man ja jemanden, der die Sanierung mitfinanziert.“

Im Video argumentiert Geisel, dass die laufende Sanierung von Klimatechnik und Elektrik im Haus erst nur sechs Millionen kosten sollte, dann 11,5 Millionen – und inzwischen sogar 21 Millionen Euro. Ähnlich könne es mit der weiteren Sanierung laufen.

Intendant Wilfried Schulz: „Das wäre ein Präzedensfall“

Wie berichtet, hatte das Schauspielhaus zusammen mit Stadt und Land eine Studie in Auftrag gegeben, um den weiteren Sanierungsbedarf zu ermitteln. Das Ergebnis liegt vor – und macht Geisel offenbar große Sorgen. Im Video sagt er, bei solchen Projekten könnten die Kosten leicht aus dem Ruder laufen und nennt Summen bis zu 70 Millionen Euro.

Aussagen mit Sprengkraft. Denn dass eine Stadt mit der Größe und Bedeutung Düsseldorfs ihr eigenes Theater in Frage stellt, ist in Deutschland wohl einmalig. Entsprechend heftig sind die Reaktionen.

Bruno Braun, Sprecher des Bundes Deutscher Architekten für Düsseldorf, reagiert auf Geisels Vorstoß mit einem lauten Lachen: „Ich glaube, ich bin auf dem falschen Dampfer. Ich habe nicht gedacht, dass der OB so ein Kulturbanause ist.“ Braun erklärt: „Das Schauspielhaus bildet zusammen mit dem Dreischeibenhochhaus und im Hintergrund der Hofgarten ein Ensemble, das für diese Stadt ein absolutes Zeichen ist, weltweit. Jeder kennt diese beiden Häuser. Sonst haben wir ja nichts. Und das will man einem Investor für ein Kongresszentrum geben? Das ist bescheuert. Das ist unglaublich.“

Auch FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus hat wenig Verständnis für Geisels Vorschlag: „Der Oberbürgermeister macht in der Kultur zurzeit eine sehr unglückliche Figur. Er muss aufpassen, dass er nicht zur tragischen Figur wird.“ Und er prophezeit: „In den überregionalen Zeitungen wird das eine Glosse.“ Neuenhaus erinnert zudem daran, dass „seit 2008 schon 60 Millionen Euro in das Schauspielhaus investiert wurden. Wir haben eine moderne Drehbühne, wir haben die Asbestsanierung gemacht, wir haben die Akustik gemacht.“ Eine andere Nutzung sei widersinnig.

Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz wiederum reagiert zunächst mit einer Prise Ironie, wenn er sagt: „Ich glaube, Herr Geisel geht bewusst provokativ vor, um eine möglichst starke Gegenreaktion des Kultur-Bürgertums zu bekommen.“ Und dann fügt er ganz ernst hinzu: „Das wäre ein Präzedensfall in der Bundesrepublik, wenn ein zentraler Ort der Kultur so würdelos preisgegeben wird.“

 

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Wegen Sanierungskosten Gehen im Schauspielhaus bald für immer die Lichter aus? – EXPRESS

 

Am Montagnachmittag schockierte Oberbürgermeister Thomas Geisel die Düsseldorfer Kulturszene mit einem Video-Statement. Darin zeigt er sich scheinbar offen für ein Ende des Schauspielhauses.

Geisel sagte zum EXPRESS, dass er sich für den seit 1998 unter Denkmalschutz stehenden Theaterbau auch eine Nutzung als Kongresszentrum vorstellen könne.

„Alberne Idee”

Oberbürgermeister Thomas Geisel und sein Video-Blog. Der Versuch, seine Politik dem Bürger zu erklären. Diesmal jedoch scheint dieser Blog der Anfang eines erbitterten politischen Streits zu werden. Geisel forderte gestern vor der Kamera, darüber nachzudenken, welche Kulturinstitutionen Düsseldorf wirklich brauche.

Eine verklausulierte Erklärung, dass er das Schauspielhaus (1965 bis 1970 errichtet) überflüssig findet? Das lesen zumindest viele politische Akteure heraus. „Das ist eine alberne Idee. Wir würden ein Stück unserer kulturellen Identität abreißen“, sagt Manfred Neuenhaus von der FDP.

 „Sind eine Kulturstadt”

„Natürlich gehört das Schauspielhaus zu Düsseldorf. Wir sind mehr als alles andere eine Kulturstadt. Das zur Disposition zu stellen, ist fahrlässig“, meint Clara Gerlach, Kulturpolitikerin der Grünen.

Friedrich G. Conzen (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses: „So einen Gedanken finde ich ganz, ganz schlimm. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man auf so eine Idee kommt. Da muss man schon Kulturbanause sein.“

Und der SPD-Kulturpolitiker Philipp Tacer: „Es ist wichtig, dass wir nicht nur eine Kommerz-Innenstadt haben.“

„Schauspielhaus ist eine Architekturikone”

Auch unter Kulturschaffenden sorgt das Video für Aufregung. Vorgestern war er noch als besonnener Richter im TV-Mitmach-Film „Terror“ zu sehen – jetzt nimmt  Schauspieler Burghart Klaußner (67) kein Blatt vor den Mund: „Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist eine Architekturikone unseres Landes, und ich liebe es seit langem. Es abzureißen, wäre eine Schandtat! Eine derartige Provokation führte geradewegs in die Barbarei.“

Am Rande der Tour-Präsentation in Paris legte OB Geisel trotzdem noch mal nach: „Der Bau steht gar nicht zur Disposition, aber es ist so, dass auch viele sagen, im Central sei das Schauspiel auch gut untergebracht. Wir dürfen keine Denkverbote haben. Vielleicht findet sich ein Investor, der im Schauspielhaus ein Kongresszentrum oder Ähnliches baut.“

Kultur auch Wirtschaftsförderung

Die Frage der Finanzierung beschäftigt auch die Kritiker. Philipp Tacer: „Wichtig ist, dass wir herausfinden, ob eine Fassadensanierung für 12 bis 15 Millionen Euro jetzt wirklich nötig ist oder ob das Haus doch noch 10, 15 Jahre hält“.

Und  FDP-Mann Neuenhaus sagt: „Wir müssen schauen, dass wir die nötigen Einnahmen generieren. Dieser Verantwortung muss sich Geisel stellen. Ohne Theater verspielt eine Großstadt schnell ihren Ruf. Kultur ist auch Wirtschaftsförderung.“

 

FDP: „Geisel will Kö-Bogen III statt des Schauspielhauses“ RP

Düsseldorf. Die FDP-Ratsfraktion fordert ein Ende der Debatte um das Schauspielhaus – und äußert einen Verdacht über die Hintergründe des Vorstoßes von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). „Ich befürchte, dass er das Gebäude für ein Kaufhaus abreißen will“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus. Von Arne Lieb

Er weist darauf hin, dass die Stadt unter Geisels Verhandlungsführung bereits den Vorplatz des Theaters an den privaten Investor veräußert hat, der das benachbarte Geschäfts- und Bürohaus mit dem Arbeitstitel „Kö-Bogen II“ baut. Das wird von Architekt Christoph Ingenhoven entworfen – demselben Mann, der dem Aufsichtsrat des Schauspielhauses kürzlich die Liste mit nötigen und wünschenswerten Sanierungen am Theatergebäude vorgelegt hat. „Ich befürchte, Geisel will nun Kö-Bogen III statt des Schauspielhauses“, sagt Neuenhaus.

Der Politiker, der Mitglied des Schauspiel-Aufsichtsrats ist, hält die von Geisel genannten Mehrkosten von mindestens 20 bis 25 Millionen Euro für zu hoch angesetzt. „Das ist aus der Luft gegriffen.“ Für 15 Millionen Euro könne man das Haus so sanieren, dass es weiter zu betreiben sei.

Geisels Vorstoß sorgt auch im Schauspielhaus weiter für Empörung. Souffleuse Eva-Maria Voller schreibt in einem offenen Brief, es sei „beschämend, unwürdig und peinlich“ für eine Landeshauptstadt, dieses einzigartige Bauwerk zunächst über Jahrzehnte nicht angemessen zu pflegen und es jetzt „loswerden“ zu wollen. Sie schreibt an Geisel: „Die Art und Weise, wie Sie Steuerzahlern, freier Kulturszene und anderen Kulturschaffenden auf geradezu populistisch platte Art suggerieren, dass es in ihrer aller Sinn wäre, das Haus niederzumachen, lässt mich ernsthaft zweifeln, ob wir seinerzeit den richtigen Mann in unser Rathaus gewählt haben.“