Düsseldorfs Attraktivität sorgt für Probleme – das tor – düsseldorfer jonges

„Wohnen bald unbezahlbar?“ Die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann zum Beispiel sorgt sich um den Mittelstand: „Der Mittelstand wird aus der Stadt gejagt.“
Auch Marie-Agnes Strack-Zimmerman will mit den Nachbarn reden. Sie jetzt auf bilaterale Gespräche. Bei Bevölkerungswachstum will sie „Tempo rausnehmen“. Wie sie das bei steigender Attraktivität der Stadt machen will, ließ sie offen. Mit dem Vorschlag, höhere Gebäude zu bauen, um mehr Wohnraum zu schaffen, hat sie grundsätzlich kein Problem: „Die Vorschläge müssen allerdings architektonisch ansprechend sein.“

Ist Wohnen in Düsseldorf bald unbezahlbar? Diese Frage richtete RP-Lokalchef Uwe-Jens Ruhnau beim Jonges-Forum im Henkel–Saal an vier Parteipolitiker: Peter Blumenrath (CDU), Matthias Herz (SPD), Mona Neubaur (Die Grünen) und Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP).

Um es vorweg zu sagen: Eine klare und überzeugende Antwort blieben alle vier schuldig. In der Beschreibung der Ist-Situation war man sich aber weitgehend einig: Die Lage ist dramatisch. Die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann zum Beispiel sorgt sich um den Mittelstand: „Der Mittelstand wird aus der Stadt gejagt.“ Die Grüne Mona Neubaur bekräftigt: „Altenpfleger und Polizeibeamte müssen auch in Zukunft noch in Düsseldorf eine für sie bezahlbare Wohnung finden.“ Doch das wird immer schwieriger: Der durchschnittliche Mietpreis liegt derzeit laut aktuellem Mietspiegel bei 8,41 Euro (Kaltmiete) pro Quadratmeter – bei kontinuierlich steigender Tendenz. Die Stadt – Rat und Verwaltung –versucht mit dem „Handlungskonzept Wohnraum“ diese Entwicklung zumindest abzubremsen. Danach müssen mindes-tens 20 bis 30 Prozent aller neuen Wohnun-gen sozialgefördert und weitere 10 Prozent preisgedämpft sein. Matthias Herz von der SPD findet diese Bemühungen gut, fordert aber weitergehende Aktivitäten: „Die Stadt muss mehr Grundstücke kaufen und selbst weiterentwickeln.“ Auch einen Mietpreisstopp schließt er nicht aus: „Temporär für fünf Jahre“. Ratskollege Peter Blumenrath (CDU), ist grundsätzlich „gegen staatliche Regulierungen“. Doch auch er wünscht sich Wohnungen in allen Preisklassen. Bloß wie? Mona Neubaur schlägt vor, alle Baugrundstücke nur noch im Erbbaurecht zu vergeben: „Das stoppt die Preistreiberei.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann erhofft sich durch eine Reduzierung der Bauvorschriften, dass das Bauen insge-samt attraktiver wird. Ihren Seitenhieb ge-gen die Grünen, dass diese Vorschriften auf grünem Mist gewachsen seien, kontert Mona Neubaur sofort. Das seien Sprüche aus der Vergangenheit. Zum ökologischen Bauen gebe es vor dem Hintergrund des Klimawandels keine Alternative.Im zweiten Teil der Diskussion versuchte Uwe-Jens Ruhnau, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Schließlich gehen seriöse Prognosen davon aus, dass 2040 in Düsseldorf rund 700.000 Menschen leben werden – 60.000 mehr als heute: „Hier wird noch einmal eine Stadt wie Grevenbroich reingepackt.“ Peter Blumenrath rät allgemein, die „Infrastruktur der Stadt weiter zu entwickeln“. Bei der Bebauung schlägt er vor, weiter zu verdichten: „Aber so, dass die Attraktivität der Stadt nicht dar-unter leidet.“Mona Neubaur setzt auf die Kooperation mit den Umlandgemeinden, um den Kollaps zu vermeiden: „Wir müssen gemeinsame Lösungen in Sachen Wohnen und Verkehr suchen und finden“. Dabei dürften Grünflächen und Luftkorridore nicht vergessen werden. Sie erinnerte daran, dass es in der Vergangenheit die Jonges wa-ren, die sich für den Erhalt des Hofgartens stark gemacht haben.

Auch Marie-Agnes Strack-Zimmerman will mit den Nachbarn reden. Sie jetzt auf bilaterale Gespräche. Bei Bevölkerungswachstum will sie „Tempo rausnehmen“. Wie sie das bei steigender Attraktivität der Stadt machen will, ließ sie offen. Mit dem Vorschlag, höhere Gebäude zu bauen, um mehr Wohnraum zu schaffen, hat sie grundsätzlich kein Problem: „Die Vorschläge müssen allerdings architektonisch ansprechend sein.“ Peter Herz ist dafür, dass die Bauaktivitäten angekurbelt werden, wehrte sich aber gegen den Vorwurf, der vor allem in Richtung OB Geisel ging, dass die Stadt zugebaut werde. Es werde nur getan, was notwendig ist.Das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ wird in Düsseldorf ohne Zwei-fel ein Thema des Kommunalwahlkampfs 2020. Die Jonges bekamen einen ersten Vorgeschmack, da mit der FDP-Politikerin Strack-Zimmermann eine OB-Kandidatin und mit der Grünen Mona Neubaur eine mögliche OB-Kandidatin auf dem Podium saßen. Der amtierende Oberbürgermeister Thomas Geisel war beim Jonges-Termin auf Auslandsreise. 2020 wird auch er sich der direkten Diskussion stellen müssen.

Text: Joachim Umbach Foto: Wolfgang Harste

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