Düsseldorfer Politik uneins über Impfpflicht gegen Masern – WAZ NRZ

„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo andere gefährdet werden“, sagt Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Bundestagsabgeordnete, und fügt hinzu: „Es ist die Pflicht der Eltern dafür zu sorgen, dass ihre Kinder geimpft werden, damit auch andere Kinder geschützt sind.“

Ebenfalls für eine Impfpflicht spricht sich FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann aus. „Die Masern sind eine gefährliche Krankheit. Die Bezeichnung als ,Kinderkrankheit’ hat nichts mit der Schwere der Erkrankung zu tun, sondern bezieht sich auf das Alter, in dem die meisten Betroffenen die Masern bekommen“

„Eigentlich gibt es keinen vernünftigen Grund auf eine Impfung zu verzichten, es sei denn man kann aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden. Beispielsweise wen eine Allergie vorliegt“, erklärt Andreas Meyer-Falcke, Gesundheitsdezernent der Stadt Düsseldorf. „Es ist allerdings erschreckend, dass diese Debatte überhaupt geführt werden muss, weil es immer noch so viele Eltern gibt, die sich einfach weigern, ihre Kinder impfen zu lassen. Ob man dieser Problematik nun mit einem Gesetz beikommen muss, ist auch eine verfassungsrechtliche Frage, da wir hier über persönliche Freiheiten reden, in die eingegriffen wird. Auf jeden Fall muss weiterhin mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, um die Menschen zu informieren.“

Politiker sind geteilter Meinung über Impfpflicht

Von Unterstützung bis Ablehnung – die Forderungen von Gesundheitsminister Jens Spahn nach einer verpflichtenden Impfung gegen die Masern werden auch in Düsseldorf debattiert. Spahn hatte einen Gesetzentwurf angekündigt, in dem eine Masernimpfung ab März 2020 verpflichtend sein soll. Nicht geimpfte Kinder sollen dann aus Kindertagesstätten ausgeschlossen werden. Bei Schulkindern ist ein Ausschluss wegen der Schulpflicht nicht möglich. Daher soll es bei einem Verstoß ein Bußgeld von bis zu 2500 Euro geben. Die Kosten für die Impfungen sollen die Krankenkassen übernehmen.

Auf Freiwilligkeit und Aufklärung setzen

Kritisch gegenüber einer Impfpflicht steht Angela Hebeler, Sprecherin der Ratsfraktion der Grünen. Sie setzt auf Freiwilligkeit und Aufklärung statt auf Zwang. „Es muss mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit die Leute impfen lassen. Bußgelder werden an der Impfquote nicht viel ändern“, sagt sie. „Man muss hier viel mehr über die möglichen Folgen einer Masernerkrankung für Kinder und auch Erwachsene informiert werden.“

Aufklärung gebe es genug, sagt hingegen die Düsseldorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel. „Ich kenne keinen Kinderarzt, der Eltern nicht über die Wichtigkeit von Impfungen informiert“, so Pantel. „Auch wenn ich kein Freund von Verboten bin, so ist eine Impfpflicht doch im Interesse des Kinderschutzes der absolut richtige Weg.“

„Eine Impfpflicht ist solidarisch“

„Es ist vor allem solidarisch eine Impfpflicht zu haben, denn eine flächendeckende Impfung schützt alle“, meint der SPD-Bundestagsabgeordneter Andreas Rimkus. „Dennoch ist es wichtig auch weiterhin aufzuklären und noch mehr zu informieren.“

Auf eine Doppellösung setzt auch Udo Bonn, Vorsitzender der Düsseldorfer Linken. „Eine Impfpflicht halte ich für eine vernünftige Lösung, denn selbst bei Schulkindern ist die Impfquote bei Masern unter dem Schnitt“, so Bonn. „Jedoch muss auch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Die Menschen müssen auch überzeugt werden, denn was wir nicht wollen, ist dass die Impfung als staatlicher Zwang gesehen wird.“