Düsseldorfer CDU fordert Schulraum in Wohnhäusern – RP

Diese Einschätzung teilt FDP-Ratsherr Mirko Rohloff, dessen Fraktion den Kauf neu errichteter Schulgebäude durch die Stadt sogar zur Bedingung für den Fortbestand des Ampel-Bündnisses aus SPD, Grünen und FDP gemacht hatte. „Mietmodelle belasten in aller Regel künftige Generationen, sie sind deshalb keine Option“, sagt er. Infrage käme deshalb nur Projekte, bei denen die Stadt die Flächen am Ende auch kaufen könne.

 

In Düsseldorf gibt es immer mehr Schüler, Schulraum ist knapp. In Frankfurt wird über eine Kombination von Wohnen und Schule diskutiert, um neue Schulräume zu schaffen. Ob das Modell für die Landeshauptstadt taugt, ist allerdings umstritten.

Steigende Schülerzahlen und die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium stellen Düsseldorf vor Herausforderungen. Neue Schulen müssen gebaut, alte Standorte erweitert werden. Ähnlich groß ist der Druck bei den Kindertagesstätten. „So schnell wie Kinder in das Bildungssystem hinwachsen, kann die Stadt angesichts fehlender Grundstücke gar nicht bauen“, meint CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt. Sein Blick geht deshalb nach Frankfurt. Dort wird seit einigen Monaten über so genannte Hybridbauten gesprochen, in denen Wohnen und Schule miteinander kombiniert werden. „Wohnen über Schule“ lautet das Schlagwort.

Frankfurts Planungsdezernent Jan Schneider hatte die Idee von der Münchner Immobilienmesse Expo Real mitgebracht. Dort hatten ihm Projektentwickler angeboten, Kombi-Gebäude zu entwickeln – mit Schulräumen im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Etagen. „Die Stadt vermeidet bei solchen Modellen den Preiswettbewerb mit privaten Entwicklern um knappe Baugrundstücke und sie entlastet städtische Ressourcen, weil sie nicht selbst bauen muss“, so Gutt.

„Offen sein für neues Denken“

Die Parteien der Ampel-Kooperation lehnen ein solches Modell nicht grundsätzlich ab. „Wer den innerstädtischen Raum verdichten und freie Außenflächen dafür erhalten will, muss offen sein für neues Denken“, sagt SPD-Schulexperte Oliver Schreiber. Allerdings glaubt er nicht, dass Hybrid- und Kombi-Gebäude „die großen Fragen rund um fehlende Kita- und Schulräume lösen werden“.

Dagegen sprächen Themen wie Lärmschutz, Sicherheit der Schüler und die Vorschrift, eine Außenfläche für die Pausen anzubieten. „Ein Schulhof auf einem Gebäudedach ist denkbar, aber sicher nicht bei jedem Vorhaben.“ Ein weiteres Problem sieht der Ratsherr bei der Finanzierung. „Modelle, bei denen die Stadt die von einem Investor mitentwickelte Schuletage langfristig mieten müsste, werden keine politische Mehrheit finden.“

FDP: Stadt soll kaufen statt mieten

Diese Einschätzung teilt FDP-Ratsherr Mirko Rohloff, dessen Fraktion den Kauf neu errichteter Schulgebäude durch die Stadt sogar zur Bedingung für den Fortbestand des Ampel-Bündnisses aus SPD, Grünen und FDP gemacht hatte. „Mietmodelle belasten in aller Regel künftige Generationen, sie sind deshalb keine Option“, sagt er. Infrage käme deshalb nur Projekte, bei denen die Stadt die Flächen am Ende auch kaufen könne.

Immobilienexperten wie Jörg Schnorrenberger vom Ring Deutscher Makler begrüßen die Idee, in maximal verdichteten Ballungsräumen bislang voneinander getrennte Lebensbereiche miteinander zu kombinieren. So starte Aldi in Berlin ein Pilotprojekt, bei dem der Discounter über Ladenlokalen Wohnungen errichtet, davon um die 30 Prozent als Sozialwohnungen. „Statt Supermarkt kann man sich auch Schulen, Kindergärten und Altentagesstätten vorstellen“, sagt Schnorrenberger.

Modell ungeeignet für Top-Lagen

Freilich funktionierten solche Modelle nicht in Top-Lagen. „Ein Projektentwickler denkt an seine Margen, an eher preiswerten Wohnungen über Schul-Etagen kann er aber nichts verdienen.“ Und bei Mietmodellen mahnt auch er zur Vorsicht. „Wenn eine Kommune sich für 25 oder 30 oder mehr Jahre auf so etwas einlässt, ist es meist der Investor, der daran verdient – zum Nachteil der öffentlichen Hand.“

Trotzdem ermuntert Schnorrenberger die Verantwortlichen, Hybrid-Projekten eine Chance zu geben. „Warum nicht Wohnungen für Auszubildende über einer Schuletage errichten oder Mensa-Räume für Studenten. Bei solchen Projekten ist vor allem eines gefragt: Kreativität.“

(jj)