Düsseldorf fiebert der Tour entgegen – Lippische Landes-Zeitung

Einzig die FDP blieb stur bei ihrem Nein. Die geplanten Ausgaben liegen bei 13 Millionen Euro – „für einen Gag, der die Stadt drei Tage im Ausnahmezustand hält“, kritisiert Düsseldorfs FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Überhaupt werfe die Tour de France mit ihren Dopinggeschichten „kein gutes Licht auf unsere Stadt“.

 

Düsseldorf. Die Landeshauptstadt Düsseldorf – da mag sich das Stadtmarketing noch so abstrampeln – entwickelt sich nur langsam zu einer Fahrradmetropole. Es fehlt an Radwegen und Markierungen, Abstellmöglichkeiten sieht man nur gelegentlich. Immerhin gibt es jetzt eine App, eine Anwendungssoftware für Mobiltelefone, auf der sich Radler über Routen erkundigen können. Trotzdem tut man sich in der Stadt am Rhein noch schwer, auf den Sattel umzusteigen.

Der „Grand Départ“, der große Aufbruch zur Tour de France am 1. Juli, soll nun die Begeisterung fürs Rad steigern. Düsseldorfs Verkehrsdezernent Stephan Keller hofft, wie er einmal gesagt hat, auf „ein Umdenken im Kopf“. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hat das längst hinter sich. Er hält das Fahrrad für ein „Verkehrsmittel mit Zukunft“, von der Tour verspricht er sich einen langfristigen Imagegewinn für die Stadt, die sich selbst gerne das „Kleine Paris“ nennt.

„Millionen
 für einen Gag“ 
lästert die 
FDP-Chefin
Weil es aber kurz vor dem großen Aufgalopp noch letzte Zweifler gibt, hat Geisel seinen Pressedienst einige Argumente zusammentragen lassen. Anfangs sei „das Event ja nicht unumstritten gewesen“, räumt der SPD-Politiker bei der Vorstellung im Rathaus ein.

Inzwischen ziehe jedoch die gesamte Stadtgesellschaft mit. Wirtschaftsprüfer sagen Düsseldorf ökonomische Effekte von rund 57 Millionen Euro in Hotellerie und Gastronomie voraus. Geisel spricht von einer „nachhaltigen Wirkung“, am Ende sogar staatstragend von einem „Signal für Europa und die deutsch-französische Freundschaft“.

Der Düsseldorfer Stadtrat hat der Ausrichtung mit breiter Mehrheit zugestimmt. Einzig die FDP blieb stur bei ihrem Nein. Die geplanten Ausgaben liegen bei 13 Millionen Euro – „für einen Gag, der die Stadt drei Tage im Ausnahmezustand hält“, kritisiert Düsseldorfs FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Überhaupt werfe die Tour de France mit ihren Dopinggeschichten „kein gutes Licht auf unsere Stadt“. Der professionelle Radsport habe seine Vergangenheit nie richtig aufgearbeitet, Tour-Direktor Christian Prudhomme den Grand Départ „wie Sauerbier angeboten“. In London haben sie abgewinkt, in Münster keinen Nutzen gesehen.

Aus Geisels Sicht kann man solche Unkenrufe getrost vernachlässigen. Er lächelt die Kritik weg. Der Mythos der Tour de France sei ein „grandioses Instrument, um die Stadt mit eindrucksvollen Bildern der Weltöffentlichkeit vorzustellen“. Die Düsseldorfer Elektro-Band Kraftwerk gibt ein „3-D-Open-Air-Konzert“; der Auftakt ist für jeden frei zugänglich und sei damit ein „volkstümliches Event“, wie Cyrille Tricart vom Tour-Veranstalter A.S.O. frohlockt.

„Wir zeigen uns nicht nur als Sportstadt, sondern als Kunst- und Kulturstadt“, sagt Geisel. Er meint den ganzen „Düsseldorf-Style“.

OB Geisel
will der Welt den
„Düsseldorf-Style“ zeigen
Was das Fahrradfahren angeht, hat Utrecht seinen Stil längst gefunden. Im Herzen der Niederlande gebe es „mehr Radfahrer als Einwohner“, scherzt Oberbürgermeister Jan van Zanen, den Geisel zur Verstärkung mitgebracht hat. Er schwärmt vom „Tourfieber“ des Grand Départ 2015, das in Utrecht bis heute nachwirke. „Die Stadt war gelb, gelb, gelb“ – angelehnt an das Maillot Jaune, das Wertungstrikot der Tour.

„Wie beim Karneval“, sagt Tricart, der behauptet, es gebe jedes Jahr mehrere Anträge für die Ausrichtung des Auftaktrennens. Geisel erinnert an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Da habe es bis fünf Wochen vor dem Eröffnungsspiel „nur Gemecker“ gegeben. „Und dann gab’s ein grandioses Sommermärchen.“

Münster bleibt fahrradfreundlichste Stadt
Unangefochten ist Münster laut Umfrage nach wie vor die fahrradfreundlichste Stadt in Deutschland. Das ist das Ergebnis des aktuellen Fahrradklima-Tests des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) in 539 Städten. Auch sonst ist das Münsterland eine Radlänge voraus: Den zweiten und dritten Platz belegen erneut Bocholt und Reken.

Rund 120.000 Radfahrer wurden befragt. Sie bewerten die Situation der Radfahrer in ihren Städten und vergaben Schulnoten für 27 Kriterien wie Sicherheit, Komfort oder Infrastruktur.

Düsseldorf, wo dieses Jahr die Tour de France startet, belegt nur einen Platz im hinteren Mittelfeld – mit einer Durchschnittsnote von 4,1.
Auch 13 OWL-Städte tauchen im Ranking auf.

Auf Platz 1 in Ostwestfalen-Lippe ist Lemgo mit der Gesamtnote 3,3. Radfahren macht dort besonders viel Spaß (Note 2,2), gleichzeitig ist man zügig unterwegs (2,2). Die schlechteste Note gibt es für die Verfügbarkeit öffentlicher Fahrräder (5,2). Gut schneidet Bünde ab (3,4), Paderborn (3,8) liegt knapp vor Bielefeld (3,9).

Im OWL-Vergleich werden Gütersloh (4,0) und Bad Oeynhausen (4,3) am fahrradunfreundlichsten bewertet. Besonders schlecht schnitten die Gütersloher in der Kategorie „das Rad im öffentlichen Nahverkehr“ (5,2) ab.

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