. Manfred Neuenhaus (FDP) sagt, er hätte Bieber gern gehalten. „Ich finde, er hat ein gutes Programm gemacht.“ Neuenhaus sagt, die Debatte über angeblichen Sexismus im NRW-Forum habe Bieber „hart getroffen“. Eine Künstlerin hatte kritisiert, dass bei einer Ausstellung fast nur Positionen von männlichen Künstlern zu sehen waren. Die Grünen hatten das Thema im Stadtrat aufgegriffen. „Diese Debatte war im Stil völlig daneben“, sagt Neuenhaus. Das sieht auch OB Geisel so. Neuenhaus macht aber auch Versäumnisse bei dem Museumschef aus. „Bieber ist noch nicht Teil der Stadtgesellschaft geworden“, sagt der FDP-Politiker.

 

Düsseldorf Der Leiter des NRW-Forums in Düsseldorf will nicht bleiben – und vermisst „Mut zur Erneuerung“. Die Stadtspitze möchte ihn umstimmen, seine Kritiker denken schon an seine Nachfolge.

Mit seiner Abschiedserklärung hat Alain Bieber, Leiter des NRW-Forums, die Stadtspitze und die Kulturpolitik überrascht. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe sagt, er hatte mit Bieber vereinbart, dass er bald seine Ideen für die nächste Amtszeit vorstellen soll. „Ich bedaure die Entscheidung sehr.“ Zugleich weist Lohe die herbe Kritik von Bieber zurück. Düsseldorf habe, anders als Bieber gesagt hat, sehr wohl „Mut zur Erneuerung“, sagt Lohe. „Wir haben ihn offen aufgenommen.“ Lohe habe auch dafür gesorgt, dass das NRW-Forum durch ein Sponsoring der Stadtsparkasse mehr finanziellen Spielraum erhält.

Bieber hatte im Interview mit unserer Redaktion gesagt, er vermisse in Düsseldorf „die Aufgeschlossenheit gegenüber ungewöhnlichen Experimenten, zeitgenössischen Kulturdiskursen und der Digitalisierung“. Deshalb habe er den Entschluss gefasst, 2020 das NRW-Forum zu verlassen.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) erinnert angesichts von Biebers Kritik daran, dass er wiederholt eine „Vermachtung“ und „Besitzstandswahrung“ im Kulturbetrieb kritisiert habe. Dies erschwere eine dynamische Veränderung. „Aber das ist kein Düsseldorfer Problem, wir sollten versuchen, es hier besser als anderswo zu machen.“ Bieber sei es gelungen, mit seinen ungewöhnlichen Ausstellungen ein anderes Publikum ins Museum zu locken. „Das hat dem Kultur-Establishment vielleicht nicht gefallen, aber eine solche Vielfalt muss eine Stadt wie Düsseldorf bieten.“ Geisel will offenbar versuchen, Bieber zum Bleiben zu bewegen.

Biebers Unterstützer in der Politik bedauern den Abschied. „Ich finde das sehr schade“, sagt Cornelia Mohrs (SPD) und lobt die Attraktivität des NRW-Forums für ein jüngeres Publikum. Sie hofft, dass zügig ein Nachfolger gefunden wird. Manfred Neuenhaus (FDP) sagt, er hätte Bieber gern gehalten. „Ich finde, er hat ein gutes Programm gemacht.“ Neuenhaus sagt, die Debatte über angeblichen Sexismus im NRW-Forum habe Bieber „hart getroffen“. Eine Künstlerin hatte kritisiert, dass bei einer Ausstellung fast nur Positionen von männlichen Künstlern zu sehen waren. Die Grünen hatten das Thema im Stadtrat aufgegriffen. „Diese Debatte war im Stil völlig daneben“, sagt Neuenhaus. Das sieht auch OB Geisel so. Neuenhaus macht aber auch Versäumnisse bei dem Museumschef aus. „Bieber ist noch nicht Teil der Stadtgesellschaft geworden“, sagt der FDP-Politiker.

Das sieht auch Clara Gerlach (Grüne) so, die Bieber kritisch gegenüberstand. „Er hätte mehr mit Menschen in Kontakt kommen müssen.“ Gerlach sagt, das NRW-Forum habe durch die Beschäftigung mit Digital-Themen gute Impulse gesetzt. Einen innovativen Schwerpunkt würde sie sich auch in Zukunft wünschen. Gerlach sieht auch Versäumnisse von Geisel. „Er hätte ihm nie den Auftrag geben dürfen, das Photo Weekend zu übernehmen. Damit hat er ihm keinen Gefallen getan.“

Friedrich Conzen (CDU) galt nie als besonderer Anhänger von Biebers Arbeit – und ist mit den Gedanken schon in der Zukunft. „Wenn jemand sich verändern will, soll er sich verändern“, sagt Conzen. „Das gibt uns die Möglichkeit, neu zu überlegen.“ Biebers Kritik am Düsseldorfer Kulturleben teile er nicht.

Bieber hatte im Interview auch kritisiert, dass das NRW-Forum öffentlich zum Buhmann gemacht worden sei, als sich Kritik an der Vertreibung von Obdachlosen von einem Schlafplatz am Museum regte. Lohe stellt die Angelegenheit anders dar. Der erste Hinweis zu den Obdachlosen sei vom NRW-Forum gekommen. Die Kulturverwaltung habe auch die Ansicht vertreten, dass eine dauerhafte Duldung nicht möglich sei. Der Aushang zum Jahreswechsel sei aber vom Museum formuliert worden. „Das hat mich damals sehr gewundert.“