Bekommt Düsseldorf eine neue Oper? – RP

Wir wollen kein Prestigeprojekt, sondern eine Oper, die sich rechnet“, sagt etwa Manfred Neuenhaus (FDP). Die Baukosten werden von der Frage abhängen, was das Haus leisten soll und welche zusätzlichen, vielleicht auch privaten Nutzer integriert werden. Auch das ist ein mögliches Konfliktthema.

Die Düsseldorfer Oper muss eigentlich für sehr viel Geld saniert werden. Man könnte sie aber auch ganz neu bauen. Mit Interesse verfolgen alle Stadtrat-Fraktionen diese Überlegungen – offen ist allerdings die Frage nach den konkreten Kosten.

Die Fraktionen zeigen sich einmütig bereit, einen Opern-Neubau am Hofgarten zu prüfen. Allerdings herrscht zugleich spürbare Zurückhaltung – denn es fehlen belastbare Zahlen. Die Übersicht:

Reaktionen Der Freundeskreis der Oper freut sich darüber, dass die Debatte angestoßen wurde, zuletzt durch die Animationen des Architekturbüros Projektschmiede, die unsere Redaktion am Montag exklusiv gezeigt hat. „Das ist eine einmalige Chance für ein Leuchtturmprojekt“, sagt der Vorsitzende Dieter Vogel. Zudem habe er im Aufsichtsrat verfolgt, wie hoch der Sanierungsbedarf des heutigen Opernhauses sei, an dessen Standort an der Heinrich-Heine-Allee der Neubau entstehen könnte. Vogel hält es für möglich, dass Bürger sich für Extras finanziell engagieren wie zuletzt beim Schauspielhaus.

Im Rat deutet sich unterdessen – bislang – eine sachliche Debatte an. Die CDU hat eine Expertenrunde beantragt. Auch SPD, Grüne, FDP und Linkspartei zeigen sich gesprächsbereit.

Mögliche Streitfragen Vor allem die Kosten werden eine Rolle spielen – immer wieder fällt die Hamburger Elbphilharmonie als mahnendes Beispiel. Deren Baukosten steigerten sich um mehr als das Elffache auf 866 Millionen Euro. „Wir wollen kein Prestigeprojekt, sondern eine Oper, die sich rechnet“, sagt etwa Manfred Neuenhaus (FDP). Die Baukosten werden von der Frage abhängen, was das Haus leisten soll und welche zusätzlichen, vielleicht auch privaten Nutzer integriert werden. Auch das ist ein mögliches Konfliktthema. Die CDU wird als ersten Schritt das Fachsymposium beantragen. „Die Fachleute sollen uns sagen, welche Bedeutung die Institution Oper heute und in Zukunft hat“, sagt Kulturpolitiker Friedrich Conzen. Die Linkspartei befürchtet, dass es am Ende die teuerste Lösung sein soll.

Bei einem Abriss des heutigen Opernhauses wird der Denkmalschutz zum Thema: Nötig wäre ein Ministerentscheid wie beim Tausendfüßler. Sollte die Oper sich erweitern wollen, müsste zudem der Hofgarten angetastet werden.

Zeitplan Ein Hauptproblem besteht darin, dass die Kosten für eine Sanierung der bisherigen Oper nicht klar sind. Das Kulturamt hat die nächste Teilsanierung auf 18 Millionen Euro veranschlagt. Das Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP hat aber zunächst eine Gesamtprüfung von Keller bis Dach bestellt. Gut möglich, so meinen viele Beobachter, dass eine Sanierung auf lange Sicht teurer als ein Neubau wäre. Norbert Czerwinski (Grüne) kritisiert, dass die Zahlen nicht früher ermittelt wurden. „Das lief zu lange unkoordiniert.“

Im November will Kulturdezernent Hans-Georg Lohe das Gutachten vorlegen. Intendant Christoph Meyer verfolgt die Debatte mit gemischten Gefühlen. Die Idee eines Neubaus sei „verlockend, sinnvoll und auch notwendig“, sagt er. Allerdings warnt er, dass die dringendsten Sanierungen nicht aufgeschoben werden können. Sonst sei der Spielbetrieb bedroht. „Voraussetzung für eine solche Diskussion ist und bleibt das Sanierungsprojekt wie geplant ab nächsten Sommer.“